Streifzug durch ein bewegtes Leben
Erika Pluhar – Schauspielerin, Sängerin und Autorin – nahm die Besucherinnen mit auf eine Reise durch ihr spannendes Leben.
Schauspielerin, Sängerin, Autorin, ein bewegtes Privatleben und tragische Schicksalsschläge – einen Streifzug durch dieses bunte Leben machte die 83-jährige Erika Pluhar im Gespräch mit OÖN-Redakteurin Julia Evers beim OÖN-Frauentag. Das Publikum folgte dieser Reise gebannt. So war zum Beispiel kein Laut zu hören, als Pluhar spontan ihr Lied "Frau, lauf weg" anstimmte.
"Frau, lauf erst mal weg Und nimm dich selbst bei der Hand Frau, lauf weg, gebrauche deinen Verstand Schau dich um in deinem Land Sei dein eig’ner Musikant und nicht immer nur dein eig’ner Denunziant"
"Es ist leider ein bisschen zeitlos", meinte die Sängerin im Anschluss und erhielt dafür mehr als ein "Ja" aus dem Publikum.
Mit formalen Kämpfen der Frauenbewegung habe sie immer etwas gehadert, aber Gleichberechtigung und Selbstbestimmung seien unabdingbar: "Und natürlich gleiches Geld!" Dass sie ihren selbstständigen Weg gehen konnte, sei nicht leicht gewesen, erinnerte sich Pluhar: "Das habe ich mir errungen."
"Diese unglaubliche Angst"
Sehr nah geht auch ihr der Krieg in der Ukraine, denn er weckt tragische Kindheitserinnerungen. "Ich habe vieles erlebt, aber die Erinnerungen an den Krieg, an die Bombardierung von Wien, leben noch in mir", so die 1939 Geborene. Es sei vor allem ein Gefühl, an das sie sich erinnert: "Diese unglaubliche Angst, die man auch von allen anderen rundherum spürt." Noch heute lösen die Sirenenproben ein unangenehmes Gefühl in ihr aus.
Pluhar sprach offen über ihre Ex-Ehemänner, den Tod der Tochter und die verschiedenen Stationen ihres Lebens. "Meine Anna ist immer da", sagte Pluhar über die 1999 an einem Asthmaanfall erstickte Tochter. Die erste Zeit nach Annas Tod sei hart gewesen: "Da wollte ich selbst nicht mehr leben."
Ihr Adoptivsohn – damals 15 Jahre alt – sei der Grund, warum sie es doch noch tut, so Pluhar. "Lange habe ich wie hinter Glas gelebt. Aber dann gab es Momente, in denen das Leben wieder stark wurde und mit schönen Dingen auf mich zukam." Und so fand auch sie ihre Lebensfreude wieder zurück.
"Die klägliche Erika gernhaben"
Offen zu sein, sei für sie kein Problem, auch in den Büchern nicht: "Ich schreibe die Bücher mit der Kompetenz meiner Erfahrung." Zudem seien sich Menschen in ihren elementaren Gefühlen ähnlich, sei es die Liebe oder auch die Angst. Gefährlich werde es, wird Angst instrumentalisiert.
Dass sie schon so lange in der Öffentlichkeit steht, habe sie auch viel gelehrt, sagte Pluhar zum Schluss. Denn angebetet sei immer Erika Pluhar worden, nicht "die Erika": "Die hat lernen müssen, dass es wichtig ist, mit sich selber gut auszukommen. Und dass man auch die klägliche Erika gernhaben kann."
Abschließend dazu befragt, was sie sich für ihre Urenkerl wünscht, zeigte sich Erika Pluhar von ihrer politischen Seite: "Wir müssen wirklich etwas tun gegen diese Klimakatastrophe, damit diese Welt auch lebenswert bleibt."
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