Innenstadthandel will die Abkehr von der Fußgängerzone
VöCKLABRUCK. Dominic Fellinger war jahrelang Vorstandsmitglied im Vöcklabrucker Stadtmarketing. Der 49-Jährige betreibt zwei Modegeschäfte in der Vorstadt, ist von der Fußgängerzone am oberen Stadtplatz also nicht selbst betroffen. Trotzdem machte er in den vergangenen Tagen eine Umfrage unter allen 29 Gastronomie- und Handelsbetrieben am oberen Stadtplatz. Fellinger wollte wissen, wie sich die Verkehrsberuhigung im Sommer auf das Geschäft auswirkte. "Es betrifft uns alle, wie es den Betrieben am Stadtplatz geht", sagt er.
Das Ergebnis ist deutlich: Von den 20 Handelsbetrieben erklärten 18, dass sich die Fußgängerzone negativ auf sie auswirkte. Sie berichten von deutlichen Umsatzrückgängen an den Nachmittagen. (Die Fußgängerzone gilt im Sommer von 12.30 Uhr bis 24 Uhr).
Unter den Gastronomen ist die Stimmungslage ähnlich. Sieben von neun fordern die ganztägige Begegnungszone zurück.
In der Vöcklabrucker Bevölkerung ist das Meinungsbild umgekehrt. Im Vorjahr sprachen sich bei einer Befragung 84 Prozent für einen verkehrsberuhigten (bevorzugt autofreien) Stadtplatz aus. Das Problem dabei: Im Kundenverhalten spiegelt sich diese Haltung nicht wider. Sogar in den Schanigärten, die durch die Verkehrsberuhigung eigentlich attraktiver wurden, ging die Zahl der Gäste zurück. Menschen wollen keinen Verkehr, fahren aber gerne Auto.
Einige Geschäftstreibende gaben an, dass Kunden "erbost" darauf reagierten, dass sie nicht mehr mit dem Auto bis vors Geschäft fahren können. Optiker, Hörakustikgeschäfte, eine Änderungsschneiderei, ein Reformhaus, Ärzte und andere Dienstleister beklagen auch, dass speziell ältere und gehbehinderte Kunden nur mehr vormittags in die Stadt kommen können.
Dominic Fellinger teilte das Ergebnis seiner Umfrage vergangene Woche allen Vöcklabrucker Gemeinderäten mit. Sein Vorstoß war der Grund, warum ÖVP-Stadträte vor wenigen Tagen öffentlich forderten, die Phase der sommerlichen Fußgängerzone um zwei Monate zu kürzen.
Die Befürworter der Fußgängerzone im Rathaus, allen voran SPÖ und Grüne, sprechen sich gegen den verkehrspolitischen Rückzieher aus. "Wir nehmen die Probleme der Innenstadt wirklich ernst, wehren uns aber gegen Schnellschüsse", sagt Umwelt- und Mobilitätsstadträtin Sonja Pickhardt-Kröpfel von den Grünen. Die Umsatzrückgänge auf die Fußgängerzone zurückzuführen greife zu kurz, meint sie.
Sowohl SPÖ als auch Grüne signalisieren aber Gesprächsbereitschaft, was die Wiedereinführung des Gratis-Parkens in den ersten 20 Minuten betrifft. Dieser Service für Innenstadtkunden wurde vor allem auch deshalb abgeschafft, weil viele ihn missbrauchten und sich alle 20 Minuten ein neues Gratis-Ticket ausdruckten. Nicht zuletzt auch Mitarbeiter einiger Innenstadtbetriebe sollen auf diese Weise Parkplätze systematisch blockiert haben.
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